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Pressebericht aus "Badische Zeitung" vom 23.03.2007


"Bange machen gilt nicht"

Deutsche Schwimmer voller Tatendrang bei der WM in Melbourne / Gute Chancen für Dallmann


DM Berlin 2005
Will in Melbourne
zeigen, was sie
kann: Britta Steffen
FOTO: DPA

MELBOURNE/FREIBURG (dpa/str). Der Druck soll Deutschlands Schwimmer schnell machen. Selbstbewusst und voller Tatendrang hat das deutsche Team am Donnerstag sein WM-Quartier in Melbourne bezogen — bereit für den Kampf mit der Weltelite. Bange machen gilt nicht. "Wir lassen uns nicht verrückt machen" , sagt Cheftrainer Örjan Madsen, "wir sind nicht hierher gekommen, um geliebt zu werden. Wir sind hierher gekommen, um schnell zu schwimmen und zu zeigen, dass wir gut sind." Madsen lässt sich durch öffentlichen Druck und aufkommende Doping-Diskussionen um das deutsche Team nicht beeindrucken. "Druck kann blockieren" , sagt Madsen, "Druck kann aber auch zu überragenden Leistungen führen."

Australiens Cheftrainer Alan Thompson hat die deutschen Schwimmer derweil geschockt, als er in Bezug auf die DDR-Dopingpraktiken sagte: "Wenn du eine entsprechende Historie hast, ist es sehr schwer davon loszukommen." Zudem erklärte er, dass ein Teil des australischen Teams in den vergangenen acht Tagen viermal Besuch von Doping-Kontrolleuren gehabt habe. Auch Kieren Pierkins erhob indirekt Vorwürfe gegen das deutsche Team: "Es gibt keinen Beweis für systematisches Doping, aber man muss auf das deutsche Frauen-Team schon ein Auge haben" , sagte der Olympiasieger von 1992 über 1500-Meter-Freistil, der bei der WM 1991 in Perth über die selbe Strecke Silber gewann.

Die umgerüstete Rod-Laver-Arena, in der einst die deutschen Tennis-Idole Boris Becker und Steffi Graf unvergessliche Erfolge feierten, hat derweil schon beim ersten Training bleibende Eindrücke hinterlassen. "Das ist hier natürlich ganz anders als in einer normalen Schwimmhalle" , sagte Madsen, "da brauchst du Karte und Kompass, um dich zurechtzufinden. Die Bedingungen werden schon ungewöhnlich sein." Aber: "Die Arena ist natürlich beeindruckend."

Weltrekordlerin Britta Steffen verzichtete auf die erste Trainingsmöglichkeit. Nach einer internationalen Pressekonferenz an diesem Freitag will sie sich ganz auf den Wettkampf konzentrieren. "Hauptaufgabe wird es sein, mit dem Druck umzugehen" , sagt sie. 11 000 Australier werden ihr Team anfeuern. Madsen ist sicher: "Für Britta ist das Ansporn. Sie ist aggressiver geworden. Ich glaube, dass sie sich mit dem Druck angefreundet hat und ihm standhalten wird." Über die 100 Meter Freistil bekommt es die Berlinerin mit Australiens Lieblingen Lisbeth Lenton und Jody Henry zu tun. Die 4x100-Meter-Freistilstaffel der Frauen wird bereits zum Auftakt der Beckenwettbewerbe am Sonntag zur Nagelprobe. Australierinnen und Amerikanerinnen werden die Weltrekordlerinnen aus Deutschland jagen. Madsen: "Wenn wir gewinnen, wird uns das beflügeln, wenn wir verlieren aber nicht umhauen."

DM Berlin 2005
Petra Dallmann, FOTO: AFP

Egal, welche Farben die Medaillen haben — hinterher ist Petra Dallmann froh, wenn sie wieder "in mein anderes Leben" zurückkehren kann. Den Alltag als Ärztin. Aber jetzt genießt sie, zweieinhalb Wochen mal nur Schwimmerin zu sein.

Zu den 81 deutschen Athletinnen und Athleten, die in Melbourne antreten, gehört Petra Dallmann vom SV Nikar Heidelberg. Dallmann stammt aus Umkirch. Die 28-jährige Ärztin startet gleich am Sonntag mit der 4x100-Meter-Freistil-Staffel. Am Donnerstag will die dreimalige Staffel-Weltrekordlerin den Einzelwettkampf über die 100 Meter Freistil absolvieren. Abschließend hat sie sich die 4x200-Meter-Freistilstaffel vorgenommen. Sie absolviert bei der WM also sozusagen ihr Standardprogramm. Michael Spikermann, Heimcoach und Bundesstützpunkttrainer in Heidelberg, glaubt an einen erfolgreichen Auftritt seiner Schwimmerin in Australien: "Ich denke, dass sie in beiden Staffeln eine gute Medaillenchance hat" , sagte Spikermann der BZ. Der Einzelwettbewerb über die 100 Meter Freistil sei hingegen "immer ein etwas schwieriges Unterfangen" , weil dieser Wettkampf am selben Tag stattfindet wie die 4x200-Meter-Freistilstaffel.